Es ist ein interessantes Thema, mit dem sich taz.de am 21.06.2012 auseinandersetzt, und eines, das wahrscheinlich auch für viele, die sich mit dem Thema Migration auseinandersetzen, ein neuer Gedanke sein könnte: die Tatsache, dass viele Menschen nicht nur zu einer Gruppe gehören, und demnach verschiedenen Diskriminierungen ausgesetzt sein können.
Am Beispiel des Freiburger Stadtteils Vauban, in dem es scheinbar keine Migranten gibt, macht der Artikel deutlich, wie unterschwellig Diskriminierung ablaufen kann, indem sie schlicht nicht integriert werden, wie eben in Vauban.
Ein anderes Beispiel: es gibt kaum Ausländer im öffentlichen Dienst.
Welche Beratungsstelle ist für eine solche, doch recht spezielle Problematik zuständig? Eine auf Ausländerfeindlichkeit ausgerichtete, oder eine, die bei Diskriminierung am Arbeitsplatz hilft? Um dieses Problem zu lösen, will die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) die Einrichtungen fördern und erweitern, die sich um eine Verbindung verschiedener Themen bemühen. Es gibt z. B. das Netzwerk „TransInterQueer“ in Berlin, das hauptsächlich trans- und intersexuelle Menschen berät, unter denen sich auch Personen befinden, die zusätzlich zu der Diskriminierung auf Grund ihrer sexuellen Identität einen Migrationshintergrund haben.
Eine, wie ich finde, wichtige Sache, denn Menschen bestehen aus mehr als einem Aspekt ihrer Identität und sollten gerade von Beratungsstellen, die sie um Hilfe aufsuchen, auch nicht darauf reduziert werden.
km
(Quelle: taz.de)
Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle auf einen Artikel der BILD-Zeitung verwiesen, in dem es um die rassistischen Angriffe auf Mesut Özil ging. Heute wurde auch auf der Seite des E-mail-Anbieters GMX ein Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Darin wurde vor allem auf einen Kommentar des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich Bezug genommen, in dem dieser die Angriffe auf Özil in Beziehung zu der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands setzt.
Friedrich habe sich zudem über die “Sieg, Sieg”-Rufe besorgt gezeigt, die von einigen deutschen Fans während der Vorrundenspiele der EM zu hören waren. Diese besäßen eine zu starke Signifikanz, so dass eine deutliche Verbindung mit dem zweiten Weltkrieg bestünde. Was durch derartige Angriffe vor allem in Gefahr sei, ist, so Friedrich, der deutsche Patriotismus, welcher seit der NS-Zeit ohnehin nur mit Vorsicht ausgelebt werden könne. Auch wenn die Kritik in diesem Fall berechtigt ist, scheint es doch voreilig zu sein, das allgemeine Patriotismusgefühl, welches auch in anderen Ländern funktioniert, so stark einzugrenzen, um es legal zu halten. Wie sollte man also mit Rassismus und der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands umgehen, damit sowohl das Patriotismusgefühl als auch die Toleranz nicht zu kurz kommen?
fb
(Quelle: gmx.net)
Ein Blog, der sich thematisch in einem ähnlichen Feld wie dieser bewegt, aber dennoch ganz anders ist, ist die Seite kybeline.com. So werden hier auch Themen wie Journalismus über Menschen mit Migrationshintergrund verhandelt, jedoch auf eine Art und Weise, die es hier anzuprangern gilt.
Wie der Name der Seite schon vermuten lässt, wird hier heftig all das kritisiert, was nicht zu einem Begriff von Europa passt, der in den Artikeln des Blogs vertreten wird. Dieser Begriff ist jedoch schlichtweg veraltet und zeugt von Scheuklappen gegenüber allem, was fremd ist.
Ein interessantes Beispiel dazu, wie in dem Blog berichtet wird, ist eine zuletzt auf der Seite erschienene Kritik an der Umbenennung zweier Krimineller durch die Pforzheimer Zeitung. Diese Kriminellen erhielten dort die Namen Wolfgang und Stefan, was auf kybeline.com als „Rassismus der deutschen Journalisten“ bezeichnet wird. Der Grund: Die Tat würde „alle Merkmale einer Migrantenkriminalität“ tragen und es würden auf diesem Wege „nur die Personen bestimmter Ethnien und politischen Besinnungen“ geschützt werden. Bereits das Wort „Migrantenkriminalität“ lässt einen an dieser Stelle stutzig werden und es stellt sich die Frage, was hier eigentlich rassistisch ist. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle jedenfalls, dass die Pforzheimer Zeitung mit ihrer Handlungsweise genau das tut, was viele andere Medien nicht machen: Eine Stigmatisierung vermeiden.
ms
(Quelle: kybeline.com)
In der Rubrik “Sagen Sie jetzt nichts” des SZ-Magazins, indem bekannte Persönlichkeiten ohne Worte, nur mit Gestik und Mimik, Interview-Fragen beantworten, wurde eine sehr interessante Frage an Cem Özdemir gestellt:
“Das Wort ‘Migrationshintergrund’ ist eine rein deutsche Wortschöpfung. Fühlen Sie sich damit richtig beschrieben?”
Die Antwort des Politikers ist cool, gelassen: Ein leichtes Schulterzucken, ein fragender Gesichtsausdruck, die Hände mit offenen Handflächen vor sich - er weiß es nicht, oder möchte dazu einfach nichts sagen. Vielleicht fällt seine Antwort so aus, da er als etablierter deutscher Politiker nicht darüber charakterisiert werden sollte, ob er einen Migrationshintergrund hat, sondern was er politisch leistet.
Das SZ-Interview wirft die Frage zwar auf, in seiner Umsetzung und Darstellung ist der Beitrag jedoch vorbildlich, auch wenn die meisten Fragen Özdemirs Herkunft thematisieren.
Wenn das Wort “Migrationshintergrund” eine rein deutsche Wortschöpfung ist, ist hier die viel interessantere Frage: Welches Wort würden diejenigen mit eben diesem für sich wählen - oder wäre es ihnen, wie Cem Özdemir, einfach egal?
kch
(Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de)
Spiegel-Online berichtete in der letzten Woche über das Leben der 18-jährigen deutschen Kosovo-Albanerin Egzona Hyseni, die in ihrem Alltag oft auf die Herkunft ihrer Eltern reduziert wird, so dass ihr eigentliches Leben in den Hintergrund gerät. Egzona sieht sich immer wieder überraschten Menschen gegenüber, die vollkommen beeindruckt ihre akzentfreie Aussprache oder ihre überdurchschnittlich guten Deutschnoten bestaunen. Sie geht mit diesen Reaktionen entspannt um, gibt jedoch auch zu bedenken, dass sie durch diese vorurteilsbehaftete Haltung mehr Probleme hat, akzeptiert zu werden.
Spiegel-Online sorgt mit diesem Artikel sowohl auf humorvolle als auch auf ernsthafte Weise dafür, dass der deutschen Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten wird. Egzona beschreibt zum Beispiel Alltagssituationen, in denen sie ihrem Umfeld immer wieder klarmachen muss, dass sie genauso deutsch ist wie viele andere in ihrer Klasse, was von Spiegel-Online mit einer absurden Komik dargestellt wird. Allerdings werden ebenfalls Situationen beschrieben, in denen Egzonas Leben von Schwierigkeiten durchzogen ist, die sie ohne die Unwissenheit der Menschen nicht hätte, wie zum Beispiel in offiziellen Zusammenhängen wie Bewerbungen oder Flugreisen.
Spiegel-Online zeigt durch diese Darstellung aufs Eindrücklichste, wie groß der Bedarf an Aufklärung und Transparenz hinsichtlich der Migrationsthematik tatsächlich ist.
fb
(Quelle: spiegel.de)
Gestern berichtete die BILD-Zeitung über eine rassistische Attacke auf Nationalspieler Mesut Özil. Ein anonymer Twitter-Nutzer postete nach dem letzten Deutschland-Spiel, dass er den in Gelsenkirchen geborenen Özil aufgrund seiner türkischen Wurzeln und seines nicht deutsch-klingenden Namens nicht als Deutschen anerkennt. BILD berichtet in diesem Zusammenhang über die Anhänger, welche diesem Nutzer folgten und die rechtlichen Schritte, die Özils Vater in diesem Fall einzuleiten gedenkt.
Positiv an der Berichterstattung ist, dass BILD sich deutlich von derartigen Meinungen distanziert und sich dafür ausspricht, dass Rassisten zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Allerdings ist es bedenklich, dass die Kommentare, die bisher zu dem Artikel abgegeben wurden, ebenfalls unverblümt rassistische Züge aufweisen, diese jedoch im Gegensatz zu dem Twittereintrag nicht entfernt wurden.
Weiterhin scheint diese Art der Berichterstattung einen agressiven Umgang mit der Thematik zu fördern. In dem hervorgehobenen Zitat von Özils Vater heißt es zum Beispiel “Hier wurde ganz klar eine Grenze überschritten.”, was sprachlich gesehen eine Kriegsmetapher darstellt. Die Bemerkung, dass Bundesvorstandsmitglied Julia Schramm den Eintrag als “rassistische Kackscheiße” bezeichnet hat, sorgt durch die extreme Ausdrucksweise ebenfalls dafür, dass Emotionen wie Wut und Hass gefördert werden. Auch wenn die BILD sich für Integration ausspricht, fehlt ihr der vernünftige Umgang damit. Wären schlüssige Argumente nicht sinnvoller als eine Hetzjagd auf Rassisten?
fb
(Quelle: bild.de)
Spiegel-Online berichtete in dieser Woche über den Comedian Bülent Ceylan und über den Zusammenhang zwischen seinem Erfolg und seiner türkischen Herkunft.
Die Zitate Ceylans, welche dieser Artikel beinhaltet, zeigen einen Aspekt der Integrationsdebatte, durch welchen diese in einem weniger ernsten, aber vielleicht gerade dadurch gut verständlichen Licht dargestellt wird. So sagt Ceylan, dass ihm seine Herkunft bei seinen Auftritten insofern nütze, als er Witze über Türken machen oder Hitler parodieren dürfe, ohne dass dies rassistisch wirke, da er sich ja ansonsten selbst beleidigen würde.
Auch die Aussage Ceylans, dass auch Frauen mit Kopftuch, die in seinem Publikum sitzen, über besonders anzügliche Witze lachen, was deutsche Zuschauer oft sehr verwirre, zeigt, dass die Behandlung des Integrationsthemas vor einem humoristischen Hintergrund sinnvoll ist, um die Distanz zwischen Migranten und Einheimischen zu verringern.
Dass der Spiegel-Bericht Ceylans Aussagen positiv darstellt und nicht zu bedenken gibt, ob er vielleicht zu weit gehe, bestärkt das Bild, dass eine weniger ernste (aber dennoch ernsthafte) Herangehensweise auch ein Schritt in die richtige Richtung sein kann.
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(Quelle: spiegel.de)
Die letzte Maiwoche stand bei der ZEIT im Zeichen des Themas Rassismus in Deutschland. In den Artikeln, die dazu verfasst wurden, ging es vor allem um das Bild, das die Menschen in Deutschland von diesem Thema haben und wie das Problem charakterisiert werden kann.
Die Meinungen, die in Form von Kommentaren eingegangen sind, unterscheiden sich in einigen Punkten. Während die ZEIT erklärt, dass in vielen Kommentaren subtiler oder auch ganz offenkundiger Rassismus zu finden gewesen sei, so gibt sie auch zu bedenken, dass viele Deutsche sich einer gewissen Einstellungsproblematik bewusst sind. “Sie warnten, dass rechtsextremes Gedankengut allgegenwärtig sei”, wie es in dem Beitrag von Meike Dülffer und Sebastian Horn vom 25.05. heißt.
Viele Menschen verstecken möglicherweise ihre rassistischen Gefühle hinter der Auffassung, harmlosen Klischees zu erliegen oder aber fühlen sich durch Verbrecher mit Migrationshintergrund, von denen sie gehört haben, in ihrer Abneigung und/oder Angst bestätigt. Erwähnt werden jedoch auch viele Leser, die mit ihren Kommentaren zeigten, dass sie Menschen mit Migrationshintergrund bewundern, da sie trotz des Rassismus, der ihnen entgegengebracht wird und der allgemeinen Chancenungleichheit, mit der sie sich auseinandersetzen müssen, ihren Alltag meistern.
Aktionen wie diese Themenwoche machen sehr deutlich, dass das Problem des Rassismus vor allem deshalb so ernst ist, weil es tief in den Köpfen der Menschen verankert ist. Dabei wird es versteckt, heruntergespielt oder ohne Reue vertreten. Die ZEIT sorgt mit ihrer Themenwoche dafür, dass das Thema offen angesprochen wird und jeder seine Meinung oder seine Lösungsansätze beitragen kann.
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(Quelle: zeit.de)
Unter dem Motto “Das mulmige Gefühl im Bauch” veröffentlicht derwesten.de einen Artikel zum Thema “Zivilcourage”, bei dem die Türken nicht gut wegkommen.
Aufhänger des Artikels ist der gewalttätige Übergriff eines Jugendlichen auf zwei Frauen am Hauptbahnhof Mönchengladbach - seit diesem Übergriff hat die Geschäftsfrau Petra B. “richtig Angst” und schildert zwei Situation, in denen sie sich unwohl fühlte.
Vor allem ihr Statement zur ersten Situation verleitet den Leser dazu anzunehmen, dass türkische Jugendliche eine potentielle Gefahr darstellten:
” ‘Am Dienstag haben zwei junge Männer – ich glaube, es waren Türken – in meinem Hauseingang geraucht. Ich habe sie freundlich gebeten, das zu unterlassen. Einer der Männer sagte daraufhin frech, dass er das dürfe, weil er hier wohne. Das stimmt aber nicht. Schließlich bin ich die Vermieterin der Wohnungen hier im Haus, ich kenne meine Mieter.’ Petra B. hakte nicht nach, aus Furcht.”
In diesem Artikel hätte der Journalist die Aussage der Geschäftsfrau entschärfen müssen. Auch wenn es sich um ein Zitat handelt, hätte die Angst vor den Türken implizit nicht ohne weitere Erläuterung oder Stellungnahme stehen gelassen werden dürfen; so hat der Artikel eine negativ-konnotierte Tonalität gegenüber “Türken”, die durch die journalistische Arbeit hätte vermieden werden können.
kch
(Quelle: derwesten.de)
Am Beispiel des von einschlägigen Boulevardmedien so genannten „Wedding-Killers“ Mehmet Y. konnte in Rahmen dieses Blogs schon einmal auf eine unnötige Stigmatisierung hingewiesen werden.
Express.de schrieb über in als „Türken“, was auch die Online-Ausgabe der BZ für richtig hält. Das Ganze ist zwar keine große Überraschung, eine Armutsszeugnis jedoch allemal. Auch wenn es in einem Teilbereich der deutschen Medien etabliert scheint, eine derartige Kennzeichnung vorzunehmen – so etwas gleicht eher einer Anprangerung, als dass es der Information dienen würde. Interessant wäre hier die Frage, ob so eine Schreibweise bewusst im Sinne eines reißerischeren Artikels, der sich eventuell besser verkauft, vorgenommen wird, oder ob sich solche Mechanismen mittlerweile festgefahren haben und unbewusst auf diese Art und Weise geschrieben wird.
ms
(Quelle: bz-berlin.de)
Gestern berichtete die BILD-Zeitung über die kontrovers diskutierte Talkrunde von Sandra Maischberger zum Thema “Die Salafisten kommen - Gehört dieser Islam zu Deutschland?”. Bereits im Vorfeld sollen die Thesen, die vor diesem thematischen Hintergrund aufgestellt wurden, aus verschiedenen Richtungen kritisiert worden sein.
Der Talk-Gast, auf den sich die BILD-Zeitung in erster Linie bezieht, ist die ehemalige MTV-Moderatorin Kristiane Backer, die 1995 zum Islam konvertiert ist. Ihre Hauptthese ist laut BILD, dass der Islam die einzige Religion sei, “die alle anderen Religionen anerkennt.” Diese These wird allerdings lediglich als kritikwürdig stehengelassen und nicht weiter erläutert. Zudem wird bei jeder Erwähnung von Kristiane Backer ihr ehemaliger Beruf erwähnt, wobei sie mal als Moderatorin, mal als “V-Jane” bezeichnet wird. Dies erweckt den Eindruck, dass ihr beruflicher Hintergrund eine Beziehung zu ihren Aussagen hat und somit wie auch ihre Thesen zu missbilligen sei. Gerade weil die Diskussion in der Sendung von Sandra Maischberger sich zu einer Grundsatzdiskussion über den Islam entwickelt zu haben scheint, ist die einseitige, anklagende und sehr verkürzte Berichterstattung der BILD eine fragwürdige Methode der Informationsvermittlung.
fb
(Quelle: bild.de)
In den letzten Tagen und Wochen von Christian Wulffs Zeit als deutscher Bundespräsident beschränkte sich die Berichterstattung in erster Linie auf die Fehler, die er gemacht hat und die Frage, ob er einen Ehrensold verdient habe oder nicht. Dass er jedoch nicht nur kritisiert, sondern auch vermisst wird, macht ein Artikel von Spiegel-Online deutlich, der das Engagement von Christian Wulff für Migranten in Deutschland und die diesbezügliche Lücke, die er hinterließ, zum Thema hat.
In dem Artikel mit dem Titel “Letzte Freunde” wird Christian Wulff als “größter Verbündeter” der Migranten in Deutschland bezeichnet. Die Szene, die beschrieben wird, spielt in einem Berliner Café, in dem sich alle zitierten Gäste einig sind, dass der Rücktritt von Christian Wulff ein großer Verlust ist. Die hauptsächlich türkischstämmigen Migranten fühlten sich von ihm unterstützt und bedauern, dass seine Verdienste um das Thema Integration in den letzten Wochen seiner Amtszeit scheinbar in Vergessenheit geraten sind.
Spiegel-Online regt mit dieser Thematik zum Nachdenken an. Die Berichterstattung über Christian Wulff war hauptsächlich von Kritik, Empörung und Spott durchzogen. Seine Verdienste wurden nicht mehr erwähnt, so dass auch das wichtige Thema Integration vernachlässigt und in der Interessenrangfolge hinter der Schadenfreude über Wulffs Fehler angesiedelt wurde. Die Dankbarkeit und Kooperationsbereitschaft, die viele Migranten aufgrund von Wulffs Engagement zeigten, wird nur selten erwähnt, obwohl das öffentliche Image von Migranten dadurch verbessert werden könnte. Die Berichterstattung von Spiegel-Online lässt also die Frage aufkommen, ob öffentliche Hetzkampagnen und Spott der Gesellschaft und den Medien wichtiger sind als ein Vorankommen in der Integrationsthematik.
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(Quelle: spiegel.de)
Heute findet sich auf der Internetpräsenz der BILD-Zeitung ein Artikel mit der Überschrift “Ich verstecke mich, ich habe Todesangst.” Darin geht es um den iranstämmigen Sänger Shahin Najafi, der aufgrund des Inhalts eines seiner Lieder nun von den höchsten Gelehrten des Iran verfolgt werden soll und aufgrund der scheinbar großen Gefahr, in der er sich befindet, unter Polizeischutz steht.
Die BILD-Zeitung bezieht dieses Einzelschicksal auf das Problem von politischen Morden, die vom iranischen Regime bisher in Deutschland verübt wurden oder noch verübt werden könnten. In Bezug auf Najafi ist die Rede von 100.000 Dollar, die von den religiösen Oberhäuptern des Iran demjenigen geboten werden, der Najafi ermordet. Auch wenn die Situation, in der dieser sich momentan befindet, sehr kritisch zu sein scheint, fällt auf, dass die Berichterstattung der BILD an vielen Punkten an einen Krimi erinnert. Der Verweis auf das Kopfgeld oder Zitate wie “Jetzt will mich das Regime endgültig auslöschen” stellen die Situation und die religiösen Gegebenheiten des Iran im einem sehr radikalen und erschreckend unberechenbaren Licht dar. Auch wenn sie sich auf der Seite des Sängers zu sehen scheint, stellt die BILD die religiösen und politischen Hintergründe des Iran so problematisch dar, dass sich neben dem Mitleid mit Najafi möglicherweise auch ein Unwillen der Leser bemerkbar machen könnte, sich mit solchen dramatischen Problemen auseinanderzusetzen. Da Themen, die mit dem Islam zu tun haben, häufig mit derartigen Situationen in Verbindung gebracht werden und man selten positive Berichte findet, erscheint die Situation von manchen Migranten in Deutschland einigen möglicherweise als zu risikoreich, um das Thema Integration gutheißen zu können.
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(Quelle: bild.de)
Nach seinen 27,18 % aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich, sind die Prognosen für Nicolas Sarkozy für die Stichwahl am 6. Mai wenig optimistisch.
Wie taz.de am 23.04.12 berichtete, scheint er nun mit einer betont rechtslastigen Kampagne die Wähler der rechten Front National umwerben zu wollen. So will er beispielsweise die Zahl der Visa für zukünftige Einwanderer halbieren und auch notfalls die Grenzkontrollen wieder einführen.
Erschreckend sind die Wahlen in Frankreich ja schon auf Grund der beunruhigend guten Ergebnisse Marine Le Pens von der rechtsextremen Front National in der ersten Runde, aber die Strategie Sarkozys, die rechten Wähler nun für sich zu gewinnen, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Im Falle einer Wiederwahl bleibt nur zu hoffen, dass das meiste davon doch nur leere Versprechungen sind.
km
(Quelle: taz.de)
Seit einigen Tagen finden sich in vielen Medien Berichte über kontrovers diskutierte Aussagen eines Mitglieds der Piratenpartei. Martin Delius verglich den Aufstieg der Piratenpartei diverse Male mit dem der NSDAP.
Dieser Vergleich unterstützt Befürchtungen, die häufig im Zusammenhang mit der Piratenpartei geäußert werden. Kritiker halten die Piratenpartei aufgrund ihrer Aussagen für einen Magneten für radikal denkende und rechtsorientierte Menschen, die sich mit keiner anderen Partei identifizieren kömnnen.
Auch Spiegel-Online berichtete heute über diese Thematik. Auffällig an der Berichterstattung ist dabei vor allem die Ausführlichkeit und der Facettenreichtum, von denen der Artikel erfüllt ist. Der Beitrag ist weder eine Hetzjagd gegen die Piratenpartei noch eine völlige Verteidigung ihrer Aussagen. Die Autorin berichtet sachlich über die Bedenken der Kritiker und die parteiinternen Probleme, die sich aus den Aussagen ergeben haben, setzt diese mit dem bevorstehenden Parteitag und den Inhalten des Parteiprogramms in Verbindung und mischt diese Aspekte mit verschiedenen Meinungen zum Thema.
Die Berichterstattung liefert in erster Linie Informationen, die der Leser zum Bilden einer eigenen Meinung benötigt. Sie erschafft keine vorgefertigte Meinung, sondern ist objektiv und umfassend. In Bezug auf die Migrationsthematik zeigt eine derartige Berichterstattung, dass es nicht nötig ist, auf dem Rücken der heute in Deutschland lebenden Migranten einen Kampf um die deutsche Vergangenheit auszutragen, sondern Themen wie diese durchaus sachlich und ohne Schuldzuweisungen behandelt werden können.
fb
(Quelle: spiegel.de)